Zur Hermeneutik der „Schwarzen Hefte“ PDF

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Seit der Veröffentlichung von Heideggers »Schwarzen Heften« ist sein Denken einer massiven Kritik unterzogen worden. Zwei Themen standen von Anfang an im Mittelpunkt: die Frage nach seinem Verhältnis zum Nationalsozialismus und die Frage nach seinem Antisemitismus. Dass Heidegger sich in den »Schwarzen Heften« zum Großteil mit anderen Themen befasste, geriet so aus dem Blick. In den »Schwarzen Heften« finden wir eine massive Kritik des Christentums, wichtige Erläuterungen zum Ereignis-Denken, die Konturen der Seinsgeschichte und immer wieder Selbstinterpretationen und Selbstkritik. Die »Schwarzen Heften« belegen auch eine Krise im Denken Heideggers und mehrere vergebliche Versuche, eine neue Sprache für sein Denken zu finden. In diesem und dem nächsten Band des Heidegger-Jahrbuches möchten die Herausgeber versuchen, eine sachliche und kritische Diskussion der bisher erschienenen »Schwarzen Heften« vorzulegen und Fragen in den Mittelpunkt zu stellen, denen in der bisherigen Diskussion nicht mit der nötigen Differenziertheit nachgegangen worden ist:
• Worum handelt es sich eigentlich bei den »Schwarzen Heften«? Was hat Heidegger mit ihnen beabsichtigt?
• Was lässt sich zur Textgeschichte sagen?
• Worin liegen thematische Schwerpunkte? Lassen sich Entwicklungen/Veränderungen aufzeigen?
• Was ist der Unterschied zwischen den »Überlegungen « und den »Anmerkungen«?
• Wie lassen sie sich in Heideggers Denkweg einordnen? Welchen Status haben sie im Kontext von Heideggers anderen Werken?
• Wie lassen sie sich in die Geschichte der Philosophie (und Literatur) einordnen?
• Welche besonderen Herausforderungen stellen sie der zukünftigen Interpretation?
Mit Beiträgen von Francesca Brencio, Richard Capobianco, Alfred Denker, Ingo Farin, Julia Ireland, Eric Nelson, Richard Polt, Roberto Rubio, Ian Thompson, Takao Todoroki, Daniela Vallega-Neu, Silvio Vietta und Angel Xolocotzi.

Ab Mitte 1930 begann Heidegger mit einer Gesamtinterpretation der abendländischen Philosophiegeschichte. Diese metaphysische Weltauffassung gipfelte aus Heideggers Sicht in der modernen Technik. Mit diesem Begriff verband er nicht allein, wie sonst üblich, ein neutrales Mittel zum Erreichen von Zwecken. Vielmehr versuchte er zu zeigen, dass mit der Technik auch eine veränderte Auffassung der Welt einhergehe. Der Technik stellte er die Kunst gegenüber und erarbeitete ab Ende der 1930er Jahre u. Hölderlins Dichtungen Alternativen zu einem rein technischen Weltbezug. In späten Texten ab 1950 widmete er sich verstärkt Fragen der Sprache.

Eine breite Rezeption machte Heidegger zu einem der einflussreichsten Philosophen des 20. Gleichwohl ist sein Werk inhaltlich umstritten. Vornehmlich ist sein nationalsozialistisches Engagement bis heute Gegenstand kontroverser Debatten. Ab 1906 lebte Heidegger am bischöflichen Seminar in Freiburg und absolvierte das Gymnasium. Novize in den Jesuitenorden ein, verließ das Kloster aber wegen Herzbeschwerden schon nach einem Monat wieder. Zwei Texte prägten Heidegger in dieser Zeit: Franz Brentanos Schrift Von der mannigfachen Bedeutung des Seienden nach Aristoteles und Vom Sein. Abriß der Ontologie des Freiburger Dogmatikers Carl Braig, dessen Vorlesungen er besuchte.

Im Herbst 2014 wurde mitgeteilt, dass das Deutsche Literaturarchiv Marbach 572 bisher unveröffentlichte Briefe und 36 Postkarten aus dem Schriftwechsel mit seinem Bruder Fritz erworben habe. Im Sommer dieses Jahres hatte das Literaturarchiv 70 Briefe Heideggers und seiner Gattin an seine Eltern aus den Jahren 1907 bis 1927 erhalten. Im Januar 1919 kam der erste Sohn Jörg, im August 1920 Hermann zur Welt: Sein leiblicher Vater war ein Jugendfreund Elfrides, worüber Martin in Kenntnis gesetzt war, was jedoch erst 2005 mit der Veröffentlichung der Briefe Martin Heideggers an seine Frau ans Tageslicht kam. Sie war eine Freundin und frühere Klassenkameradin Elfride Heideggers. Ab Februar 1925 verband Heidegger eine Liebesbeziehung mit seiner neunzehnjährigen, ebenfalls jüdischen Studentin Hannah Arendt. Briefe von ihm an sie und ihre Notizen über diese Beziehung wurden in ihrem Nachlass gefunden, während Briefe von ihr an ihn nicht erhalten sind.

Der beste Kenner der Schriften und Gedankengänge Martin Heideggers war sein fünf Jahre jüngerer Bruder Fritz. In der Bildmitte die Kirche St. Martin, in der Heideggers Vater das Amt des Mesners versah. Im Meßkircher Schloss informiert heute ein Museum über Leben, Freunde und Familie und die Heimat Heideggers. 1913 wurde Heidegger mit der Arbeit Die Lehre vom Urteil im Psychologismus zum Doktor der Philosophie bei Artur Schneider promoviert. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine akademische Laufbahn. Heidegger wurde 1915 einberufen und den Diensten für Post und Wetterbeobachtung zugewiesen.