Raum und Raumvorstellungen im Mittelalter PDF

Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel. Im Raum und Raumvorstellungen im Mittelalter PDF der Christianisierung übertrug sich der Begriff auf die nach dem Vorbild der antiken Basiliken gestalteten Kirchengebäude insbesondere aus romanischer Zeit.


Författare: Jan A. Aertsen.
Die MISCELLANEA MEDIAEVALIA präsentieren seit ihrer Gründung durch Paul Wilpert im Jahre 1962 Arbeiten des Thomas-Instituts der Universität zu Köln. Das Kernstück der Publikationsreihe bilden die Akten der im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Kölner Mediaevistentagungen, die vor über 50 Jahren von Josef Koch, dem Gründungsdirektor des Instituts, ins Leben gerufen wurden. Der interdisziplinäre Charakter dieser Kongresse prägt auch die Tagungsakten: Die MISCELLANEA MEDIAEVALIA versammeln Beiträge aus allen mediävistischen Disziplinen – die mittelalterliche Geschichte, die Philosophie, die Theologie sowie die Kunst- und Literaturwissenschaften sind Teile einer Gesamtbetrachtung des Mittelalters.

In Athen wurde traditionell der Amtssitz des Archon basileus als Basilika bezeichnet, darum wird oft vermutet, dass der Bautypus der Basilika im Hellenismus entstand und dann von den Römern aufgegriffen und adaptiert wurde. Bereits bei den antiken Basiliken kamen Apsiden vor. In den als Markt- und Gerichtshallen genutzten Gebäuden dienten sie der Unterbringung eines Herrscherbildnisses. Die Basilika Catos war ein quaderförmiger Raum mit zwei Schmalseiten, deren eine, gegen das Forum gekehrt, die Front bildete, deren andre eine Exedra oder Apsisnische hatte. Der mittlere Raum war an allen vier Seiten mit zweigeschossigen Säulenstellungen umsäumt, jedoch nicht höher als die Umgänge. Front kam oft an die Längsseite, und die Apsis fiel weg, was auch an der Basilika des Vitruv und der in Pompeji der Fall war.

Apsiden, einer an der Schmal- und einer an der Längsseite. Aus derselben Zeit stammt die 1846 und 1956 wieder hergestellte, für den evangelischen Gottesdienst eingerichtete Basilika zu Trier, deren 69 m langer, 31 m breiter und 30,5 m hoher Innenraum nördlich durch eine Apsis geschlossen und durch eine Doppelreihe von Fenstern erleuchtet ist. Sie war ursprünglich die Audienzhalle der römischen Kaiser, die im 4. Die älteste Gestaltung der Basilika, nämlich die Form aus den Zeiten der Republik, gewann dann eine weitere Fortbildung in der Architektur des Privathauses. Basiliken wurden in den Städten des ganzen römischen Reiches errichtet. In Pompeji etwa stehen drei Basiliken von mäßiger Größe nebeneinander auf einer der Schmalseiten des Forums. Vitruv beschreibt die in Fano von ihm selbst erbaute Basilika.

Frühe Christen hielten während der Zeit der Christenverfolgungen im Römischen Reich ihren Gottesdienst noch in den Häusern ab. Apsis, wo in antiken Gerichts- oder Palastbasiliken der Sitz des Richters bzw. Reinigen der Hände als Sinnbild der Reinigung der Seele. Als offizielle Religion des Römischen Reichs erstarkte das Christentum rasch zum allmächtigen Träger der abendländischen Kultur.

Nach und nach änderte sich auch der Charakter der Basilika im Kirchenbau. Das gilt sowohl für den Grundriss als auch für die Ausstattung. Eine Kreuzbasilika entsteht dadurch, dass vor der Altartribüne, nach der Breite des Gebäudes und aus dessen Seitenwänden hervortretend, ein Querschiff von der Höhe und Breite des mittleren Langschiffs angebracht ist. Wo das mittlere Langschiff in das Querschiff mündet, wurde eine große Bogenwölbung von der einen Wand zur anderen geführt, welche auf vortretenden kolossalen Säulen ruht und an den Pfeilern, mit denen die Säulenreihen der Schiffe hier abschließen, sowie an den Seitenwänden des Querschiffs ihr Widerlager findet. Pseudobasilika, Mittelschiff ein Stockwerk höher aber ohne Fenster über den Seitenschiffen.

Staffelkirche, Mittelschiffsgewölbe etwas höher, aber ohne zusätzliches Stockwerk. Hallenkirche, alle Schiffe etwa gleich hoch. Sinne von Kirchenschiff kann der gesamte Andachts- und Versammlungsbereich des Kirchengebäudes gemeint sein. Oberbegriff von Mittelschiff, Seitenschiff und auch Querschiff kann einen durch Arkaden und Außenmauern markierten Teil des Innenraums bezeichnen.

Schiff kann der für die Gemeinde bzw. Laien vorgesehene Teil des Kirchenraums sein, im Gegensatz zum Chor, der traditionell den Geistlichen vorbehalten war. Langhauses, bei frühchristlichen Kirchen Narthex genannt, wurde als Westbau besonders massiv ausgeführt, wenn er Glockentürme tragen oder als Glockenturm dienen sollte. Eine Pseudobasilika ist eine Kirche, deren Mittelschiff zwar die Seitenschiffe um eine Etage überragt, aber dessen Seitenwände oberhalb der den Raum gliedernden Arkaden keine durchfensterten Obergaden sind.