Rassenhygiene im Nationalsozialismus PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Christian Koller studierte Geschichte, Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Er ist Rassenhygiene im Nationalsozialismus PDF Lecturer in Modern History an der Bangor University und Privatdozent für Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich. Jahrhundert teilen Menschen andere Menschen in „Rassen“ ein.


Författare: Christopher Schöne.
Studienarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Geschichte Europa – Deutschland – Nationalsozialismus, II. Weltkrieg, Note: 1,0, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Geschichte), Veranstaltung: Hauptseminar: "Bevölkerung als Problem: Sozialdarwinismus, Eugenik und Bevölkerungskrise im Kaiserreich", Sprache: Deutsch, Abstract: In heutiger Zeit stehen Genforschung und Humangenetik wieder im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Nicht zuletzt das "Klonschaf" Dolly und das in den USA in Angriff genommene "Human Genome Project" haben der Bevölkerung ungeahnte Möglichkeiten der Steuerung biologischer Vorgänge durch den Menschen suggeriert und die Utopie einer "schönen neuen Welt" wieder aufleben lassen. In Zeiten leerer Sozialkassen und zunehmender Kosten der therapeutisch orientierten Medizin erscheinen die Möglichkeiten einer präventiven "Genmedizin" überaus verlockend und kostengünstig. Bertold Brecht lässt seinen Macheath in der "Dreigroschenoper" singen: "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral." Dieser alte Satz scheint sich auch in diesem Zusammenhang als Binsenwahrheit zu bestätigen. Der Genetik scheinen keine Grenzen gesetzt und schon wird in der Öffentlichkeit nicht mehr nur über die Grenzen des Machbaren, sondern auch über die finanziellen Aspekte des menschlichen Erbgutes diskutiert. Dieses Denken in Bezug auf eine kostengünstige präventive "Genmedizin" ist nicht neu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich ähnliche Ideen unter der Bezeichnung "Rassenhygiene" in der westlichen Welt popularisiert. Voller optimistischer Vorstellungen und mit der Utopie eines besseren Lebens entwickelte sich aus der Fiktion im Laufe der Jahre eine institutionalisierte Wissenschaft. Die Verbrechen des Nationalsozialismus haben gezeigt, wie eine einst gut gemeinte Utopie sich verkehren kann in menschenverachtende Politik. Bei allen Segnungen und Vorteilen, die uns die neue Technik der Genforschung bringen kann und wird, darf doch nie vergessen werden, dass Individualität zu gerne einem einheitlichen Schönheitsideal oder Gesundheitsideal geopfert wird.
Die folgende Arbeit soll Aufschluss darüber geben, inwiefern die Rassenhygiene in Deutschland mit ihrer Ideologie als ein deutsches Produkt gesehen werden kann oder ob es sich um ein internationales Phänomen handelt. Des Weiteren wird aufgezeigt wie sich die Rassenhygiene im Nationalsozialismus vom "Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses" über die damit verbundenen Zwangssterilisationen vom Mord an tausenden geistig und körperlich behinderten Menschen in Deutschland bis hin zum Massenmord an dem jüdischen Volk in Europa ausweitete und ob in dieser Entwicklung überhaupt ein Zusammenhang zwischen "rassenhygienischen" Programmen und Holocaust besteht.

Jahrhundert entwickelte sich daraus in Europa eine pseudowissenschaftliche Rassenlehre, die im 20. Dieser historische Überblick zeichnet die Entstehungsgeschichte nach und führt auch in moderne Formen der Ideologie des Rassismus ein. Der Begriff „Rassismus“ ist erheblich jünger als der damit bezeichnete Sachverhalt. Das französische Adjektiv „raciste“ tauchte zuerst in den 1890er Jahren als Selbstbezeichnung von Nationalisten auf. Das Substantiv „Rassismus“ entstand erst in den 1920er Jahren als antirassistischer Kampfbegriff. Erstere setzt eine biologistische Theorie voraus. Damit schließt diese Theorie nicht explizit biologistisch motiviertes fremdenfeindliches Handeln aus, selbst wenn dieses gewaltsam ist.

Auch neuere Varianten der rassistischen Ideologie wie der Kulturrassismus, die ohne den biologischen Rassenbegriff auskommen, erfasst der biologistische Ansatz nicht. Kurz und leicht verständlich erklärt im Glossar des Dossiers Rechtsextremismus auf www. Getextet von Toralf Staud, Johannes Radke, Heike Kleffner und FLMH. Entstehung und Verbreitung des Konzepts der „Rasse“ Das europäische 18. Jahrhundert spielt in der Geschichte des Rassismus eine wichtige Rolle.

In den vorangegangenen Jahrhunderten war von Europa das groß angelegte koloniale Projekt ausgegangen, das weite Teile der Welt und die dort lebenden Bevölkerungen unterwarf und anschließend ausbeutete. In diesem Zusammenhang nahm in Europa das Wissen über andere Teile der Welt rasant zu. Im Zusammenhang mit diesen Debatten drang das Konzept „Rasse“, das der französische Arzt und Forschungsreisende François Bernier bereits im 17. Jahrhundert zur Einteilung der Menschheit verwendet hatte, im 18. So tauchte es etwa in den Abhandlungen von Naturforschern wie Carl von Linné, Comte de Buffon und Johann Friedrich Blumenbach sowie des Philosophen Immanuel Kant auf. Bald breitete sich das Rassenkonzept auch außerhalb der gerade entstehenden Naturwissenschaften aus und fand in der historisch-politischen Publizistik Verwendung.

Bereits für den Philosophen und Kulturhistoriker Christoph Meiners war es Ende des 18. Er übertrug die von Charles Darwin beschriebenen Evolutionsmechanismen auf die menschliche Gesellschaft und betrachtete Überlebenskämpfe zwischen Individuen, Nationen und „Rassen“ als notwendig für jeglichen Fortschritt. Schließlich entstanden auch esoterische Lehren, die das Rassenkonzept in pseudoreligiöse Weltdeutungen einpassten. In vielen dieser Theorien spielte die „arische Rasse“ eine zentrale Rolle. Die Vorstellung davon war im frühen 19. Jahrhundert entstanden, nachdem Sprachwissenschaftler die Verwandtschaft der altindischen Sprache Sanskrit mit den meisten modernen europäischen Sprachen nachgewiesen hatten.

Schon bald hatte die Verbreitung des Rassenkonzepts konkrete gesellschaftliche Auswirkungen sowohl in West- und Mitteleuropa als auch in den durch europäische Staaten kolonisierten außereuropäischen Gebieten. Durch Rassismus wurden Rechtfertigungen für Unterwerfung, Ausbeutung, Abwertung und Versklavung gesucht und gefunden. Die beinahe allgegenwärtige Präsenz des Rassenkonzeptes hatte verschiedene Konsequenzen. Erstens ließ sie eine rassistische Pseudo-Wissenschaft entstehen, die die Existenz menschlicher „Rassen“ und deren Ungleichheit empirisch nachzuweisen trachtete.

Die bevorzugte Methode dazu war die anatomische Vermessung und Klassifizierung von Menschen, insbesondere von Schädelform und -volumen. Eng damit verknüpft war die Eugenik oder, wie sie in Deutschland genannt wurde, „Rassenhygiene“, die auf denselben biologistischen Annahmen wie das Rassenkonzept basierte und ab dem späten 19. Zweitens führte die Vorstellung „rassischer“ Hierarchien und „Überlebenskämpfe“ im Verbund mit nationalistischen Vorstellungen ethnisch „reiner“ Nationalstaaten zu einer Vielzahl von Gewaltaktionen, die von Vertreibungen bis hin zum Völkermord reichten. Jahrhundert insbesondere die kolonisierten Gebiete außerhalb von Europa und der südosteuropäische Raum. Die verschiedenen Zielrichtungen des Rassismus und die damit verbundenen Gewaltpraktiken erreichten im Nationalsozialismus ihren Höhepunkt. Die nationalsozialistische Ideologie beruhte primär auf Rassen-Antisemitismus, Ariermythos und Ultranationalismus, aber schloss auch rassistischen Antislawismus und Antiziganismus, Kolonialrassismus und „Rassenhygiene“ mit ein. Südstaaten der USA und in Südafrika Systeme der institutionalisierten „Rassentrennung“ noch bis in die 1960er beziehungsweise die 1990er Jahre Bestand hatten.