Maria ist die Kirche PDF

Aber warum hält die katholische Kirche weiterhin an der überragenden Rolle von Maria fest? Hat die Kirche kein Interesse an der Ökumene? Oder maria ist die Kirche PDF die Kirche zu sehr auf ihre Dogmen fixiert? Die Antwort ist überraschend und einfach: Wer Maria auf eine Funktion reduziert, verändert unser Gottesbild – dramatisch!


Författare: Gisbert Greshake.
Während die Theologie – nicht zuletzt aus ökumenischen Rucksichten – in jüngerer Zeit etwas verschämt mit Maria umging, ist die Verehrung der Mutter Jesu im gläubigen Volk ungebrochen. Gisbert Greshake nimmt diesen Glaubensinstinkt des einfachen Volkes ernst. Biblisch und dogmatisch fundiert, zeigt er hier die Rolle Marias in der Heilsgeschichte auf. Ihr Glaube kann für die Kirche und ihre Verkündigung nicht ohne Folgen bleiben.

Schauen wir erst einmal in die Bibel. Maria wird dort zwar nicht häufig erwähnt – aber es ist keineswegs so, dass Maria im Neuen Testament nur eine Randfigur ist. Die Bibel macht Aussagen von enormen Gewicht über Maria. In der Bibel wird übrigens Maria immer „Mariam“ genannt – mit der einzigen Ausnahme in Lk 2, 19. Lukas und Matthäus die Sicht auf Jesus aus und nehmen auch die Kindheit Jesu mit in den Blick – und damit Maria.

Gal 4, 4: Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen. Zwar nennt er Maria nicht beim Namen, aber seine Aussage ist theologisch bedeutsam. Demnach wäre Maria bereits zu Lebzeiten zum festen Bestandteil des Gottesdienstes oder der Verkündigung geworden – und das schon innerhalb der ersten 15 Jahre nach Tod und Auferstehung Jesu. Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?

Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria, und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles? Ist das nicht der Sohn Josefs?

Gerade, weil sich die Stellen so sehr ähneln, fallen die Unterschiede auf. Markus erwähnt Josef kein einziges Mal in seinem ganzem Evangelium! Matthäus ihn als den Sohn des Zimmermann und Lukas als den Sohn Josefs bezeichnet. Gerade, weil Markus Josef niemals nennt, erstaunt die Erwähnung Mariens. Wie Matthäus und Lukas zeigen, ist es üblich, den Vater zu nennen.

Gut – wenn Markus kein Interesse an den Eltern hat, mag er Josef weglassen. Aber dass er dann dennoch Maria erwähnt – das ist schon ein starkes Stück Theologie. Markus hat tatsächlich ein theologisches Konzept: Die Gottessohnschaft Jesu wird in der ganzen Zeit des Wirkens Jesu von niemanden erkannt – erst nach seinem Tod ist der Hauptmann unter dem Kreuz der erste Mensch, der in Jesus den Sohn Gottes erkennt. Markus will aber deutlich machen, dass Jesus von Anfang der Sohn Gottes gewesen ist – aber eben unerkannt.

Deshalb lässt er an dieser Stelle bewusst den Josef unerwähnt, aber bezeichnet Jesus ausdrücklich als Sohn der Maria. Im Zusammenhang ein eindeutiger Beleg für die Jungfrauengeburt Jesu und deren Sinn: Jungfrauengeburt und ewige Gottessohnschaft stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Maria, so haben wir zu Beginn festgestellt, wird nicht häufig erwähnt – aber an entscheidenden Stellen. Natürlich können wir diese entscheidenden Bibelstellen einzeln durchgehen, aber das wollen wir den Fachtheologen überlassen. Für uns ist vor allem wichtig, aus der seltenen Erwähnung Mariens nicht den Schluss zu ziehen, dass man sie auch genauso gut streichen könnte Maria ist nicht – wie heute auch viele Katholiken meinen – ein „Sahnehäubchen“ auf den ansonsten vollständigen Glauben. Nein: Sie bleibt so unlösbar mit ihren Sohn verbunden, dass sie nicht nur bei allen Heils-entscheidenden Momenten im Leben Jesu zugegen ist – sondern zudem auch von den Evangelisten ein jedes mal erwähnt wird. Die Evangelisten, die die Anwesenheit Mariens erwähnen, entdecken in dieser Frau ein göttliches Konzept: Maria ist die Frau des Bundes Gottes mit den Menschen.

Maria ist also nicht nur ein Mensch mit einem zeitlichen Auftrag. Der Engel in Nazareth meinte also nicht: „Liebe Maria, sei so gut und empfange ein Kind, nenne es ‚Jesus‘ und erziehe es gut jüdisch. Den Rest macht er dann schon selbst“. Maria ist nicht nur eine Funktionärin – sie ist die bleibende Antwort des Menschen. In Maria hat der neue Bund des Menschen begonnen – und da es sich um einen ewigen Bund handelt, ist sie es auch noch heute. Die Christen haben sich mit ihrer Theologie gegen ein Gottesbild gewandt, das in vielen heidnischen Religionen vorherrschte: Gott ist nicht wirklich am Menschen interessiert, braucht aber hier und dort einen Menschen als Erfüllungsgehilfen.

Ist die Mission erfüllt, hat der Mensch ausgedient – diesen heidnischen Göttern geht es nicht um Liebe. Dagegen spricht die Bibel eine andere Sprache: Jesus Christus ist Mensch geworden – und auch Mensch geblieben, selbst im Tod und nach der Auferstehung. Kassiererin an der Kasse im ALDI mit Handschlag begrüßt und verabschiedet? Damit das nicht mit Jesus Christus, mit Maria und dann letzten Endes mit allen Menschen geschieht, gibt es die Dogmen der Kirche – vor allem die frühchristlichen Dogmen – und natürlich die Dogmen über Maria. Wir haben schon festgestellt, dass die Jungfräulichkeit Mariens bereits in den Evangelien angedeutet wird. Konfessionen und Sekten, die sich auf die gleichen biblischen Texte beziehen, zu unterschiedlichen theologischen Ansichten über Maria gelangen. Alle Dogmen wurden formuliert, um Christus zu verherrlichen – bzw.