Eine Stadt und die Schuld PDF

Es ist immer wieder faszinierend, welche Argumente die Menschen zusammen suchen, nur um sich zu rechtfertigen, warum sie nichts mit eine Stadt und die Schuld PDF Kirche zu tun haben wollen. Nun – es ist tatsächlich so, dass die Kirche im Laufe ihrer Geschichte einige Schuld auf sich geladen hat.


Författare: Philipp Kratz.
Eine Langzeitstudie zur Nachgeschichte des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland.
Der Umgang der Deutschen mit der NS-Vergangenheit gilt heute vielen als vorbildlich. Aber die Bereitschaft zu einer Auseinandersetzung mit dem »Dritten Reich« war lange Zeit keine Selbstverständlichkeit. Wie schwierig dieser Weg sein konnte, untersucht Philipp Kratz am Beispiel der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Er führt dabei die wichtigsten Felder der »Vergangenheitsbewältigung« zusammen: Wie gingen ehemalige Verfolger und Verfolgte miteinander um, die im städtischen Nahraum nach Kriegsende wieder aufeinandertrafen? Wie stritten die Zeitgenossen um Fragen nach individueller und kollektiver Schuld und die daraus zu ziehenden Konsequenzen? Welche Formen der Bestrafung, der Wiedergutmachung und des Gedenkens, aber auch der erneuten Demütigung, Instrumentalisierung und des Beschweigens bildeten sich heraus? Gibt es eine »zweite Schuld«, weil die erste vielfach folgenlos blieb? Die konsequent lokale Perspektive erlaubt es, solchen Debatten detailliert und über einen langen Zeitraum hinweg nachzugehen. Dabei wird deutlich, dass sich die Auseinandersetzung der Deutschen mit der Schuldfrage weder als geradlinige Erfolgsgeschichte noch als bloße Defizitgeschichte erzählen lässt.

Das darf keiner ernsthaft bestreiten – und das ist auch nicht die Aussageabsicht dieser Katechese. Aber die Behauptung, in den dunklen Kapiteln der Geschichte wäre die Kirche nicht trotz, sondern aufgrund ihres Glaubens zur Täterin geworden, trifft schon die Substanz. Einen Glauben, der früher oder später zum Massenmord führen muss, will wohl keiner ernsthaft vertreten. Jahr, von wem und mit wem etc. Wir wollen vielmehr klären, was dazu geführt hat, dass die Hexenverbrennungen so abgelaufen ist – und welcher Rolle der katholische Glaube dabei gespielt hat. Um es vorwegzunehmen: Was Hexen in Wirklichkeit gewesen sind, entzieht sich unserer Kenntnis.

Einige behaupten, es seien naturverbunde Kräuterfrauen gewesen, andere gehen von Angehörigen der alten heidnischen Religionen aus – wieder andere glauben, dass die Hexen nur etwas runzelige alte Frauen waren. So sind die weiblichen Zauberinnen bei Harry Potter ebenso „Hexen“ wie Gruppen von Frauen, die sich den heidnischen Kulten der vorschristlichen Zeit widmen. Weibliche Satanisten nennen sich „Hexe“ ebenso wie wohlmeinende Heilerinnen. So wenig eindeutig, wie die Opfer zu bestimmen sind, so eindeutig ist der Vorwurf an diese „Hexen“ gewesen: Sie seien Bräute Satans. Und so wundert es nicht, dass der erste Vorwurf im Zusammenhang mit den Hexenverbrennungen zu Beginn der Neuzeit lautet: »Die katholische Kirche hat mit ihrem Glauben an den Teufel und die Hexen überhaupt erst den Grund dafür gelegt, dass so etwas wie Hexenwahn um sich greifen konnte. Natürlich – hätte die katholische Kirche geleugnet, dass es einen Teufel gäbe, wäre sie wohl in den Augen des heutigen kritischen Menschen von theologischer Schuld reingewaschen.