Aufstieg der Toten PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Leiter des Instituts für hellenistische Religionsgeschichte und antikes Judentum, Eberhard Aufstieg der Toten PDF Universität Tübingen, Liebermeisterstraße 12, 72076 Tübingen. Kurze Geschichte der Apokalyptik Bildgewaltige Vorstellungen vom Untergang dieser Welt und vom Kommen einer neuen und besseren Welt übten stets eine große Faszination auf die Menschheit aus. In nahezu allen Kulturkreisen und während der gesamten fassbaren Geschichte der Zivilisation begegnen Spekulationen über die Vorzeichen, den Zeitpunkt und den Verlauf des Weltuntergangs.


Författare: Z. A. Recht.
Die Apokalypse ist nicht aufzuhalten



In drei Monaten kann sich verdammt viel ändern: Kriege werden entschieden, Regierungen werden abgesetzt … oder die Menschheit wird ausgelöscht! Zumindest fast: Ein unberechenbares Supervirus hat die Weltbevölkerung in Rekordgeschwindigkeit dahingerafft, nur um sie kurz darauf als lebende Tote wiederauferstehen zu lassen. Die wenigen Überlebenden halten sich versteckt, und nur die Gerüchte über ein möglicherweise wirksames Medikament spenden den Menschen Hoffnung. Doch zwischen den letzten Menschen auf Erden und dem rettenden Wirkstoff stehen Milliarden seelenlose Kreaturen, die Jagd auf die Lebenden machen …



Ausgehend vom ersten Vers der neutestamentlichen Johannesoffenbarung wurde das Wort „Apokalypse“ in der christlichen Theologie seit der Antike zunächst zur Sammelbezeichnung einer literarischen Gattung. Diese Gattungsbezeichnung wiederum wurde bald auf inhaltlich und formal mit dem letzten Buch der christlichen Bibel vergleichbare Offenbarungsschriften übertragen. So benennen die altkirchlichen Autoren als „Apokalypsen“ einen besonderen Teil der religiösen Literatur. Ein erster Impuls für die Entstehung der apokalyptischen Vorstellungswelt fußt in dem existenziell erlebten Dilemma, dass religiöse Menschen die Welt zuweilen als ungerecht und die eigene Lebenssituation als unerträglich empfinden und sie dennoch am Glauben an die Allmacht und Güte ihres Gottes und an der positiven Einschätzung ihrer eigenen Person festhalten wollen. Hiermit einher geht die Deutung der eigenen Existenz als heillos, gottlos und verloren. In theologischer Hinsicht hat das apokalyptische Denkmodell die Hoffnung auf Gottes Selbstmitteilung in dieser Welt aufgegeben.

Es erwartet nur noch eine rein jenseitige Heilsverwirklichung. Ausgangspunkt der apokalyptischen Deutung der Weltgeschichte ist ihre Wahrnehmung als eine lineare und determinierte Geschehensfolge. Dabei erfährt ihr Verlauf eine deutliche Periodisierung. Sie hat einen Anfang und ein Ende. Epochen einer sichtlichen Verschlechterung der irdischen Zustände und eines zunehmenden Ordnungsverlustes aneinander. Innerhalb dieses Komplexes ist die Vorstellung von den endzeitlichen Plagen und Drangsalen und vom katastrophalen Zusammenbruch dieser Welt kein finales Geschehen, sondern nur ein Durchgangsstadium auf dem Weg zur endgültigen Erlösung und zum Heil.

Ende zuläuft, wobei den katastrophalen Schrecken der Endzeit keine Heilszeit folgt. Die Pragmatik dieses Konzeptes besteht ihrerseits vor allem darin, Reformdruck zur Abwehr einer als möglich oder wahrscheinlich erachteten Krise zu erzeugen. Die Hoffnung auf das heilvolle Eingreifen Gottes zugunsten der Frommen trägt dazu bei, dass die apokalyptische Eschatologie ihre Kraft vor allem in Zeiten der Unterdrückungs- und Verfolgungserfahrung entfaltet und den sektiererischen Rückzug aus der Mehrheitsgesellschaft oder den aktiven Widerstand gegen sie provoziert. Die religiös begründeten Abgrenzungsbestrebungen der apokalyptischen Bewegung haben nicht nur eine religiöse, sondern auch eine soziale Funktion. Im Rahmen der apokalyptischen Vorstellungswelt wird als Konsequenz abweichenden Verhaltens die zukünftige Bestrafung im universalen Endgericht erwartet und zugleich der gegenwärtige Ausschluss aus der eigenen Gruppe vollzogen.

Ihre Entstehung und Entwicklung sind unlösbar mit der griechischen Kolonisation und dem Vordringen des Hellenismus im östlichen Mittelmeerraum seit dem ausgehenden 4. Wichtigste Quelle für die Entstehung und Entwicklung der apokalyptischen Vorstellungswelt ist die religiöse Literatur des antiken Judentums, die den anhaltenden Konflikt von fremder Macht und eigener Ohnmacht beziehungsweise die wahrgenommene Bedrohung der religiösen Identität widerspiegelt. Hier entwickelte sich seit dem 3. Repertoire von Formen und Motiven der Sammelgattung „Apokalypse“. In den apokalyptischen Schriften geht es um die Vermittlung von vergewissernden Offenbarungserfahrungen gerade in Krisensituationen, in denen theologische Interpretation durch die bekannten Modelle göttlichen Heilshandelns nicht mehr möglich erscheint. Ihre Verfasser knüpfen an die biblische Prophetie an.

Vergleichbare apokalyptische Vorstellungen und Motive begegnen auch in benachbarten und zeitgenössischen Kulturen und Religionen. Literatur schrieb ihr komplexes eschatologisches Symbolsystem fort. Die zu den Grundlagen des frühchristlichen Glaubens gehörende Erwartung des nahen Endes der Welt und die im Glauben an die Auferstehung Jesu aus Nazareth begründete Verheißung einer allgemeinen Auferstehung der Toten als Voraussetzung eines vergeltenden Endgerichts nehmen zentrale apokalyptische Motive auf. Bereits der urchristliche Osterglaube beruht auf Grunderfahrungen im Erscheinungsmodus der Vision. Die ersten Christen hofften auf ihre endzeitliche Erlösung als die von Gott exklusiv erwählte Gemeinde.

Sie lebten in der enthusiastischen Überzeugung, angesichts des nahen Weltgerichtes in exklusiver Weise das wahre Gottesvolk Israel der Endzeit zu repräsentieren, das allein aus diesem Gericht herausgenommen und verschont wird. Als die bekannteste Quelle und wichtigste Inspiration der christlichen Zukunftserwartungen und ihrer visionären Bilder und Vorstellungsgehalte gilt die neutestamentliche Johannesoffenbarung. Sie enthält eine Interpretation der eigenen Zeitgeschichte im Horizont des Übergeschichtlichen, das in zahlreichen der jüdischen apokalyptischen Literatur entlehnten Bildern und Motiven zum Ausdruck kommt. Zwar wurden die meisten apokalyptischen Schriften von den Großkirchen verworfen, dennoch wurden zahlreiche in ihnen enthaltene Gedanken und Bilder aufgegriffen. Periodisch auftretende Christenverfolgungen und Martyriumserfahrungen aktivierten das in den alten Erlösungs- und Vergeltungsbildern der apokalyptischen Vorstellungswelt angelegte hoffnungsstiftende Potenzial zur Bewältigung der Theodizeefrage.